„Stolperfallen“ sollen beseitigt werden

Nebenflächenprogramm soll für ebene Gehwege im Edwin-Scharff-Ring und Fritz-Flinte-Ring sorgen

Bereits im 2008 waren die schlechten Gehwege Thema diverser Sitzungen des Stadtteilbeirats Steilshoop. Diese Beschäftigung mündete in einer „Mängelkartierung“, in der entsprechende Stellen mit Fotos dokumentiert wurden. Mir oblag es damals, dieses Thema in die Bezirkspolitik zu tragen.

Als hauptsächliche Gründe für die hochstehenden Gehwegplatten wurden Baumwurzeln ausgemacht. Wegen der mangelnden Erfahrung mit fachgerechten Baumpflanzungen in Großsiedlungen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre seien große Fehler bei der Begrünung des Stadtteils gemacht worden und dies räche sich heute. So seien Bäume an vielen Stellen zu eng aneinander gepflanzt worden. An anderen Stellen sei nicht bedacht worden, ob der einzelne Baum langfristig überhaupt genug Platz hätte, sich mit Wurzeln und Krone optimal zu entfalten.

Bisher war es meist die einzige Möglichkeit, an den betroffenen Stellen Gehwegplatten zu entfernen und mit dem Füllmaterial Glensanda aufzufüllen. An sich ist dies kein schlechter Untergrund, der sich auch an vielen anderen Stellen unserer Stadt für Gehwege verwendet wird. Aber weder sieht so ein „Flickenteppich“ aus Glensanda und Gehwegplatten schön aus noch ist er wirtschaftlich zu unterhalten: Er ist sehr wartungsintensiv, da er wieder nachgebessert werden muss, sobald die Stadtreinigung über den Gehweg gebürstet ist. Zudem stoßen Schneeräumfahrzeuge immer wieder mit ihrer Schaufel an die verbliebenen Gehwegplatten und beschädigen diese noch zusätzlich. Bis dahin waren die getroffenen Maßnahmen für mich also ziemlich unbefriedigend.

Ich war sehr erfreut, als ich Kenntnis davon bekam, dass die Straßen Fritz-Flinte-Ring und Edwin-Scharff-Ring in das sogenannte Nebenflächenprogramm aufgenommen wurden. Hierbei handelt es sich um ein Programm, das aus der Einsicht heraus aufgelegt wurde, dass man sich viele Jahre hauptsächlich um Straßen und Radwege und gleichzeitig zu wenig um Gehwege gekümmert hat und hier ein dringend zu behebender Rückstand entstanden ist. Da es innerhalb Hamburgs nicht nur in Steilshoop und in Wandsbek kaputte Gehwege gibt, kann dieser Rückstand leider nur Stück für Stück abgearbeitet werden aber immerhin konnten nun zwei besonders betroffene Steilshooper Ringstraßen in die Prioritätenliste aufgenommen werden womit nun Gehwege großflächig auf einer Länge von ca. 4 km und zu Kosten von etwa 800.000-900.000 Euro saniert werden sollen.

Nachdem der Regionalausschuss Bramfeld-Steilshoop-Farmsen-Berne und anschließend auch die Bezirksversammlung diese Absicht des Bezirksamts einstimmig positiv beschieden hatten, wurde das Vorhaben im Stadtteilbeirat vorgestellt. Am letzten Donnerstag fand eine Begehung statt, bei der Vertreter des Bezirks gemeinsam mit Vertretern des Stadtteilbeirats und der Initiative „Kahlschlagstoppen“ Art und Umfang der Schäden gemeinsam begutachteten und Herr Hohenstein, Leiter der Abteilung Straßen im Bezirksamt Wandsbek, erläuterte, welche Optionen es aus fachlicher Sicht gibt, für eine Verbesserung zu sorgen.

Ebenfalls sollen, wie bei der Begehung verkündet wurde, die Übergangsbarrieren zur Straße an den Hofeingängen (siehe Foto) teilweise entfernt werden, um hier barrierefreie Übergänge für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl schaffen zu können und an manchen Stellen sollen zudem „ordentliche“ Fahrradständer (d.h. solche, an denen man auch sein Fahrrad sicher verschließen kann) installiert werden. Ebenfalls saniert werden soll der westliche Teil des nördlichen Gehwegs, der an der Grundschule Edwin-Scharff-Ring und am Werkhof bis zum zukünftigen Campus führt.

Konkret losgehen soll es bereits in diesem Winter. Dabei wird sich jeweils ein Abschnitt des Gehweges von 30 bis 50 m Länge vorgenommen, jeder Baum von einem Sachverständigen begutachtet und im Einzelfall nach der optimalsten dieser Lösungen gesucht:

  • Fällung
  • Fällung mit Ersatzpflanzung
  • Aufgabe eines Parkplatzes
  • Entfernung des oberen Wurzelwerkes
  • Erhöhung des Bodenniveaus

 

Aufgrund dieses iterativen (also schrittweisen) Vorgehens, bei dem man sich jeweils auch mit Wohnungseigentümern und direkten Anwohnern abstimmen wird, ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar, wie viele Bäume konkret gefällt werden müssten. In der Vergangenheit führten begründete und angekündigte, geplante Baumfällungen zu Protesten und mündete in ein Bürgerbegehren, welches zur Folge hatte, dass sich die Sanierung des mittleren Teils der Mittelachse aufgrund der zur Erfüllung des verhandelten Kompromisses notwendigen, 70.000 Euro teuren Umplanungen bis heute verzögert hat. Ich hoffe sehr, dass das dieses Mal von der Bezirksverwaltung gewählte Verfahren dazu beiträgt, ähnliches zu verhindern.

Sich angesichts dessen ausgerechnet Steilshoop vorzunehmen für ein weiteres Bauprojekt, im Rahmen dessen Baumfällungen vorgesehen sind, mag für Außenstehende nach einer gesteigerten Form des Masochismus aussehen. Jedoch steckt dahinter die feste Überzeugung, dass hier dringender Handlungsbedarf mit dem Ziel der Herstellung verkehrssicherer, hochfrequentierter Gehwege besteht.

Es ist kein Naturgesetz, dass die Mittel aus dem Nebenflächenprogramm nun in Steilshoop ausgegeben werden sollen. Bei entsprechendem Widerstand wäre es ein Leichtes, diese für die Sanierung der Gehwege in einem anderen Stadtteil auszugeben, wo man auf weniger Widerstand trifft, der dortige Handlungsbedarf aber nicht wesentlich geringer ist – letztendlich ist es der Bezirksverwaltung egal, wo sie das Geld auf die Straße (bzw. auf den Gehweg) bringt. Dann wäre allerdings diese Chance für Steilshoop auf Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte hinweg, vertan.